Was genau ist eigentlich Obdachlosigkeit? Diese Frage mag Ihnen banal vorkommen, ist sie aber nicht. Denn von unserer Interpretation des Phänomens Obdachlosigkeit hängt es ab, wie wir sozialpolitisch und letztlich auch räumlich mit ihm umgehen. Ist Obdachlosigkeit ein gesellschaftliches Randphänomen, eines, das im Grunde nicht vorkommen kann und das, wenn es denn doch vorkommt, nur als schnell zu überwindendes Hindernis zu betrachten wäre, dann bräuchte man sich mit ihm architektonisch nicht weiter zu befassen. Ziel wäre es dann wohl, die Wohnungslosigkeit als urbanen Störfaktor möglichst weitgehend visuell verschwinden zu lassen.
Das aber erscheint nicht nur brutal. Es erscheint auch unrealistisch. Man wird sich eingestehen müssen: In kapitalistischen, in komplexen, in wettbewerbsorientierten Gesellschaften wie den unseren kann es geschehen, dass Menschen „durchs Rost“ fallen. Obdachlosigkeit ist, aus dieser Perspektive betrachtet, zwar…